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08 Okt
17

Vorbereitungen gehen in die heiße Phase

Ausstellung als Testballon: Kommt die Fulder Foaset endlich ins Museum?



FULDA - Die Fuldaer Fastnacht (auf Platt: Fulder Foaset) gehört zu den ältesten Brauchtümern in der Region. Urkundlich erstmals im Jahr 1508 erwähnt, veranstaltete man bereits in den 1840er Jahren karnevalähnliche Umzüge in Fulda. Vierzig Jahre später gründeten sich dort die ersten Vereine, und heute ist die Barockstadt die hessische Narrenhochburg schlechthin. - Seit über drei Jahrzehnten sammelt Bernd Heil, Mitglied der Fuldaer Karnevalgesellschaft (FKG), alles rund ums Thema und hat sich im Keller seines Hauses in Künzell-Bachrain sein eigenes privates Fastnachtsmuseum aufgebaut. Ein Querschnitt davon wird ab dem 11.11. in der Galerie vor den Spiegelsälen des Stadtschlosses in einer Ausstellung präsentiert, die bis zum Ende der Kampagne zu sehen ist. Ein Testballon. Denn wenn die Schau gut ankommt, hofft Bernd Heil, dass seine Sammlung mittelfristig ins Vonderaumuseum überführt wird.

Fotos: Erich Gutberlet

Der 70-Jährige bekommt Gänsehaut, wenn er daran denkt, wie sein Opa ihn in den 1950er Jahren zum ersten Mal mit zur Fastnacht nahm. "Später dann habe ich mir von außen an den hohen Glastüren der Orangerie die Nase platt gedrückt und die Herrschaften beim Ball der Stadt Fulda beobachtet." Heils große Stunde schlug schließlich 1974, als die FKG ihn anhaute, ob er nicht Lust hätte, Tanzmajor zu werden. Das war's dann: Einmal Karnevalist, immer Karnevalist!

Ein Knackpunkt in der "Fastnachtkarriere" von Bernd Heil war das Jahr 1984. "Ich kannte den damaligen Hausmeister der Domschule, und der hat mich einmal mit auf den Dachboden genommen, wo er alte Schwellköppe gefunden hatte (Anm. d. Red.: Schwellköppe sind besonders gefertigte Masken, die es schon in den 1930er Jahren gab). Die habe ich dann an mich genommen." Und damit eine Lawine losgetreten, muss man ergänzen, denn in den Jahrzehnten danach kamen von allen Narren-Seiten Leute auf Bernd Heil zu und versorgten ihn mit Erinnerungsstücken an die Fulder Foaset.

Bernd Heil im Gespräch mit ...

Schwellköppe ...

Hunderte Exponate, teilweise vom Anfang des letzten Jahrhunderts, umfasst die Sammlung heute: zig Ordner mit Dokumenten, Kopfbedeckungen, Uniformen, Uralt-Schallplatten mit Fuldaer Fastnachtsliedern, Waffen-Attrappen, Orden, Wimpel und Fahnen, Prinzen-Zepter, Motiv-Bierdeckel, Fotos, Gemälde, Urkunden etc. pp. Hinter jedem Teil steckt dabei eine eigene Geschichte, und Bernd Heil kennt sie alle. Ihm zuzuhören ist wie eine Zeitreise in die Fuldaer Stadthistorie. "Es wäre schade, wenn dieser Schatz nicht für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht würde. Deswegen bin ich schon seit längerem an der Stadt dran, ob das nichts fürs Vonderaumuseum wäre."

Im Januar diesen Jahres hat OB Dr. Heiko Wingenfeld zunächst einmal die bevorstehende Ausstellung angeregt. Seitdem ist die Vorbereitung darauf für Bernd Heil ein Fulltime-Job, denn "das muss alles perfekt sein". Mehr oder weniger in Eigenregie hat er das Konzept ersonnen, Vitrinen aufgetrieben, die beleuchtet werden sollen, und selbst einen Filmeinspieler wird's geben. - Zum Schluss noch eine Randbemerkung: Selbst im Historischen Museum in Berlin ist eine Original-Eintrittskarte zum allerersten Turnermaskenball aus dem Jahr 1849 ausgestellt. Wenn das kein gutes Omen für eine Dauerausstellung in Fulda ist. (Matthias Witzel) +++